Ein Rundgang durch St. Oswald und Otmar

 

Herzlich willkommen in der Frenkenbacher Kapelle
St. Oswald und Otmar!

Auf dieser Seite finden Sie interessante Informationen zur Kapelle und den darin vorhandenen Kunstwerken. Politisch gehört Frenkenbach zur Gemeinde Immenstaad, kirchlich gesehen allerdings schon seit 1913 zur Pfarrei Hagnau. Damit ist die Kapelle eine Filialkirche von St. Johann Baptist, Hagnau.
Die Bestimmung der Bauzeit der Kapelle ist nicht möglich. Der Ort Frenkenbach wurde vermutlich um 800 n.Chr. gegründet. Der Ort selbst und die dazugehörige Kapelle werden in verschiedenen frühmittelalterlichen Dokumenten vom 11.- 13. Jh.  erwähnt.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass Frenkenbach im Laufe seiner Geschichte aus dem welfischen Besitz an das Kloster Weingarten und danach an die Schenken von Schmalegg/ Ittendorf wanderte. Bis 1696 war die Kapelle eine Filialkirche von Bermatingen, danach gehörte sie bis 1913  zu Ittendorf.
 
 
Innenraum der Kapelle
Wer kein Freund von überladenen und vergoldeten Kircheninnenräumen ist, wird sich über den schlichten und rustikalen Innenraum von St. Oswald und Otmar freuen.
Wir betreten die Kapelle durch die rundbogige Eingangspforte. Mittig im Raum befinden sich fünf Bankreihen mit seitlich angebrachten Kerzen. Eine elektrische Beleuchtung gibt es nicht.
An den seitlichen Wänden des Kirchenschiffs befinden sich jeweils sechs einfache, geschmiedete Kreuze, die für die zwölf Apostel stehen.
 
 
Chorbogenwand mit klassisch mittelalterlichen Plastiken
Die vor uns liegende Chorbogenwand wurde mit zwei Holzplastiken ausgestattet. Auf der linken Seite befindet sich ein Schmerzensmann aus dem 15. Jh., auf der rechten Seite die heilige Anna selbdritt, die im 17. Jh. gefertigt wurde. Letztere Plastik hat eine Besonderheit: Die Figurengruppe besteht nur aus der heiligen Anna und ihrer Tocher Maria, der Mutter Jesu. Das für gewöhnlich ebenfalls vorhandene Jesuskind fehlt, stattdessen wird die Marienfigur mit vorgewölbtem Leib dargestellt, da der Messias noch nicht geboren wurde.
Beide Plastiken sind beispielhaft für das Mittelalter: Der leidende Christus, der mit allen Kreuzigungswunden dargestellt ist, ist ein Andachtsbild, dass Leiden, Sterben und Buße tun in den Mittelpunkt stellt.
Die heilige Anna selbdritt zeigt den mittelalterlichen Ahnenkult und ehrt neben der Mutter Jesu auch seine Großmutter.
Zwischen den beiden Plastiken befindet sich der Chorraum mit einem steinernen Altar.
 
 
Die Frenkenbacher Krippe
Zur Weihnachtszeit wird vor dem Altar eine lebensgroße Krippe des Freiburger Holzbildhauers Edgar Spiegelhalter aufgebaut. Die naturbelassenen Hozfiguren passen in ihrer schlichten Eleganz perfekt zur rustikalen Kapelle und bereichern den nahezu schmucklosen Innenraum um eine vorübergehende, aber jährlich wiederkehrende, Attraktion.
 
 
 
Allgemeine Informationen
St. Oswald und Otmar ist ein schlichter und einfacher, überwiegend romanischer Bau, der wohl aus dem 12. Jahrhundert stammt.
Der viergeschossige Turm wurde im 15. Jh. umgebaut, im obersten Geschoss befindet sich der hölzerne Glockenstuhl mit zwei Glocken. Die ältere Glocke stammt vom Konstanzer Glockengießer Leonhard Rosenlächer aus dem Jahr 1677. Die zweite Glocke hängt darunter und stammt aus dem Jahr 1977. Sie wurde von der Karlsruher Glockengießerei gefertigt und trägt die Aufschrift "St. Oswald und Otmar 1977. 150 Jahre Erzbistum Freiburg."
Die im Turm verbauten Schallfenster (oberste Fensterreihe) sind nicht mehr im ursprünglichen Zustand, lediglich am  nördliche Doppelfenster ist die alte Form noch erkennbar. Nord-, Ost- und Westseite des Turms haben die gleiche Einteilung: Zwischen den großen segmentbogigen Fenstern, oben zwei und unten eines, befinden sich zwei längliche, schießschartenartige Fenster übereinander.
Der Turm schließt mit einem Krüppelwalmdach ab, auf dem ein gleichschenkliges Kreuz sitzt.
Die Fassade von Turm und Kirchenschiff ist überwiegend unverputzt - somit ist das Mauerwerk aus Wacken, Kieseln und Findlingen, die mit dünnen Mörtellagen zusammengehalten werden, gut sichtbar. Nur die Nordseite des Turms und das Glockengeschoss wurden teilweise verputzt.
Das rechteckige Langhaus misst 12,10 m auf 6 m, daran schließt sich der quadratische Chor an, an dessen Ostwand sich ein romanisches Fensterchen befindet. Die seitlichen Fenster und das Kreuzgratgewölbe des Chors wurden erst später nachträglich eingebaut. 
Im Kirchenschiff befinden sich auf jeder Seite zwei große segmentbogenartige Fenster, die wohl im 18. Jh. eingebaut wurden. Sie ersetzten die ursprünglichen romanischen Fenster, von denen es vier auf jeder Seite gab. Von außen sind die zugemauerten Stellen noch erkennbar. Das Schiff wird durch eine flache, schmucklose Holzdecke abgedeckt, die zum rustikalen Charme der Kapelle beiträgt.
 
Im Volksmund wird die Kapelle auch "Frenkenbacher Münster" genannt.
 
 
 
 
 
Die überwiegend verwendeten Informationen stammen aus dem
Kunstführer Nr. 1403 (Erstausgabe 1983), 3., völlig neu bearbeitete Auflage 2016,
erschienen im VERLAG SCHNELL & STEINER GMBH REGENSBURG.
(ISBN 978-3-79545113-4)