Kirchen und Kapellen

 

Quelle: Reinhard Born

 

300 Jahre Pfarrkirche Kippenhausen

von Wolfgang Trogus

Es scheint sicher, dass der Ort Kippenhausen als Siedlung eines Chippo (Kippo) etwa im 7. Jahrhundert entstanden ist. Der Hof des Dorfherren oder seines Meiers (= Verwalters) könnte sich an der Stelle des heutigen Hauses „Montfort" bzw. nördlich davon befunden haben; darauf deuten die Flurnamen Brühl und Priel und die topographische Situation.

Von der „Urpfarrei" Bermatingen, zu der ursprünglich der ganze östliche Teil des heutigen Linzgaus gehörte, war Kippenhausen bereits vor 1275 abgetrennt und selbständig geworden; man darf dazu die Stiftung einer „Eigenkirche" durch den Dorfherrn annehmen. Er stiftete das Gelände für den Bau und das „Widdum" (das Gut der Pfarrgemeinde zur Unterhaltung der Kirche).

Die Pfarrei umfasste jedoch nur einen Teil der Gemeinde, wie unten erläutert wird. Als erster Pfarrer wird 1303 ein Albrecht von Mänlishofen (Mehlishofen) genannt. Neben dem eigenen Pfarrer, der die Dorfbewohner geistlich betreute, war vor allem der Friedhof am Ort wichtig, der mit der Pfarrei verbunden war; vorher mußte man alle Toten zur Beerdigung nach Bermatingen fahren. Davon zeugen noch heute das Totensträßle von Immenstaad und von Kluftern/Lipbach nach Bermatingen.

Das Präsentationsrecht für die Kippenhauser Pfarrei, also das Recht, die Pfarrstelle zu besetzen, war anfangs im Besitz von Überlinger Patriziergeschlechtern - wohl Nachfahren der Stifter der Pfarrei und Kirche: v. Mehlishofen 1303, Münzer 1352, v. Tettighofen 1452, v. Ulm 1527. Danach erwarb es das Kloster Weingarten, das auch Ortsherr war, und zuletzt war der Großherzog von Baden Patronatsherr (bis 1918).

Im Verzeichnis der Zahlungen der Pfarreien des Konstanzer Bistums von 1275 („liber decimationis") wird die hiesige Pfarrei erstmals erwähnt; in den Akten steht (Übersetzung aus dem Lateinischen): der Pfarrer ist Student und zahlt nichts; da die Einkünfte schmal und dürftig sind, kann er nicht persönlich dort wohnen - er kam also nur manchmal vorbei oder beauftragte einen Vikar.

1353 umfasst die Pfarrei nur 7 Häuser; (da der Rest noch zu Bermatingen gehört). Für die Pfarrstelle Kippenhausen muß Heinrich von Tettikoven 1452 10 fl. Annaten (Antrittsgebühr) zahlen, eine vergleichsweise kleine Summe. Die Kirche wird 1484 zu „unserer lieben Frau" genannt, heute „Mariä Himmelfahrt". Früher soll eine Wallfahrt dahin bestanden haben.

Seit der Gründung der Pfarrei blieb die Einteilung der Pfarreibezirke jahrhundertelang erhalten: noch 1652 gehörten nicht alle Einwohner zur Pfarrei Kippenhausen, sondern einige Familien (8 Ehen) waren nach Bermatingen (oder eher in dessen Filiale Ittendorf) eingepfarrt. Ähnliches war auch in Kluftern der Fall. Noch bei der endgültigen Errichtung der Ittendorfer Pfarrei 1696 werden 11 Familien aus Kippenhausen namentlich genannt, die nach Ittendorf eingepfarrt waren. Erst einige Jahre später scheint die Sachlage geklärt und alle Einwohner des Dorfes waren der örtlichen Pfarrei zugeordnet. Näheres ist bisher noch unbekannt.

Die größere Zahl der Pfarrkinder (1711 werden feste Plätze in der Kirche an 37 „Haushaltungen" verlost) mag dann der Anlass gewesen sein für den Neubau des Kirchenschiffs; es waren also um 190 Einwohner. Der damalige Pfarrer Johann Christoph Stengele (1702-1718) hat wohl die Initiative ergriffen. Er hatte schon 1706 die Herz-Jesu-Bruderschaft gegründet und 1712 das Pfarrurbar (Verzeichnis der Einkünfte) veranlaßt.

Wie Ulrich Knapp schreibt, geht der heutige Kirchenbau ins 15. Jahrhundert zurück; aus dieser Zeit haben sich der Turm und die Umfassungswände des Chors erhalten. 1710 jedenfalls erbaute Abt Sebastian Hyller von Weingarten das Schiff und den Chor neu, in barockem Stil.

Auch die Abtei Ochsenhausen unter Abt Hieronymus Lindau beteiligte sich, da sie das Schloß Hersberg besaß, das nach Kippenhausen eingepfarrt war. Er stiftete das Altarbild, das wohl von Johann Georg Bergmüller stammt.

Zur übrigen Renaissance- und barocken Ausstattung, die sich zum größten Teil erhalten hat, lese man den Artikel von Knapp in: „Immenstaad - Geschichte einer Seegemeinde" oder in der Festschrift zur 850-Jahrfeier.

Die Wetterfahne auf dem Chor zeigt noch heute, als sichtbares Zeichen des Erbauers, das Hyllersche Wappen, Stern und Jagdhorn; es ist erstaunlich, daß sie sich so lange erhalten hat (sie besteht wohl aus verbleitem Blech).

Möge die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt noch lange in ihrer Schönheit erhalten bleiben!